Forschungsnetzwerk
„Mensch-Agenten-Interaktion“ am IWM

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Das IWM fördert ab Juli 2020 sieben Dissertations-Projekte, die sich dem Thema „Menschliche Performanz und Akzeptanz bei der Interaktion mit intelligenten, sprachbasierten Software-Agenten“ widmen. Das Forschungsnetzwerk greift damit Entwicklungen im Bereich Künstlicher Intelligenz auf, wird dieses Thema aber vor allem aus sozialwissenschaftlicher Perspektive beleuchten.

Die Projekte sind interdisziplinär angelegt und werden jeweils gemeinsam von mindestens einer Person am IWM sowie einer Person aus einer Partnerinstitution (mit Expertise im Bereich Data Science) geleitet.

Projektbeschreibungen

Projekt „Die Auswirkungen KI-gestützten Feedbacks im Kontext adaptiver Lernsysteme“

Projektteilnehmer:

Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Tübingen
Arbeitsgruppe Multiple Repräsentationen: Prof. Dr. Katharina Scheiter

Universität Tübingen
Jun.-Prof. Dr. Andreas Lachner

Künstliche Intelligenz erlaubt die Gestaltung adaptiver Lernsysteme, welche eine automatische Analyse von Lernverhalten und Performanz bei der Bearbeitung von Testaufgaben vornehmen (Diagnose) und aufbauend auf diese Analyse reagieren können (adaptive Reaktion). Obwohl existierende Beispiele unterschiedlicher adaptiver Lernsysteme vorliegen, sind die Auswirkungen der oben skizzierten Möglichkeiten der Diagnose und adaptiven Reaktionsmöglichkeiten bislang nur unzureichend untersucht. Gegenstand der geplanten Studien ist daher die Frage, wie sich eine automatische Diagnose des Lernverhaltens bzw. der Performanz (Faktor A) sowie die adaptive Reaktionen des Systems (Faktor B: einfaches Feedback – Feedback mit Verhaltensempfehlungen – Vorgabe von Lerninhalten) auf die Akzeptanz des adaptiven System, die zugrundeliegenden kognitiven und metakognitiven Lernprozesse und Lernleistungen auswirken. Hierzu werden mehrere experimentelle Studien in unterschiedlichen Inhaltsdomänen (z.B. Naturwissenschaften und Sprachen) durchgeführt. Das Projekt erfolgt in Kooperation zwischen Katharina Scheiter (AG Multiple Repräsentationen) und Andreas Lachner (Erziehungswissenschaft, Universität Tübingen).

 

Projekt „Der Einfluss von AI Unterstützung der Kommunikation auf die interpersonale Eindrucksbildung“

Projektteilnehmer:

Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Tübingen
Arbeitsgruppe Soziale Prozesse: Prof. Dr. Kai Sassenberg

Universität Stuttgart, Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung (IMS)
Dr. Roman Klinger

AI unterstützt Menschen nicht mehr nur individuell, sondern neuerdings auch bei der Kommunikation. Tools wie GMail Smart Compose bieten Hilfe beim Schreiben von E-Mails an, indem eine mögliche Fortsetzung des eigenen Texts vorgeschlagen wird. Da die AI nicht vor allem auf nutzerspezifischen Modellen aufbaut, bewirkt die Nutzung eines solchen Assistenzsystems, dass die Kommunikation weniger auf die Intentionen und Assoziationen des individuellen Nutzers zurückzuführen ist. Stattdessen wird sie durch ein allgemeines Modell geleitet, dass vermutlich Höflichkeitsformen und Standardfloskeln in die Kommunikation einbringt. E-Mail Empfänger, die sich auf der Basis der Kommunikation einen Eindruck über Intentionen und Eigenschaften der Sender bilden, kann AI gestütztes Schreiben folglich zu falschen Schlussfolgerungen über den Sender führen. Dieses Projekt wird deshalb untersuchen, ob Schreibassistenten Kommunikation so beeinflussen, dass Intentionen des Senders weniger gut für Empfänger erkennbar sind und dass soziale Interaktion dadurch beeinträchtigt wird.

 

Projekt „NarrAItions: Ko-Kreation narrativer Kurztexte mit KI: Effekte auf Textrezeption und -produktion“

Projektteilnehmer:

Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Tübingen
Arbeitsgruppe Multimodale Interaktion: Prof. Dr. Peter Gerjets

Deutsches Literaturarchiv (DLA), Marbach
Prof. Dr. Sandra Richter

Künstliche Intelligenz (KI) kann nicht nur vorhandene Texte analysieren, sondern auch selber kreativ Textpassagen erstellen. Beispielsweise können webbasierte KI-Tools auf der Grundlage weniger vorgegebener Sätze ganze Textabschnitte als Vorschläge für mögliche Textfortführungen generieren. Im Projekt NarrAItions soll in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literatur Archiv / Literaturmuseum der Moderne in Marbach erkundet werden, ob und mit welchen Effekten derartige Tools zur Förderung narrativen Schreibens genutzt werden können (z.B. im Rahmen von Schreibworkshops). Zentrale Frage ist dabei einerseits, wie die künstlich generierten Texte wahrgenommen werden. Andererseits soll untersucht werden, wie eine Zusammenarbeit mit KI-Tools im Sinne einer Ko-Kreation die Erstellung eigener narrativer Kurztexte unterstützen kann, indem z.B. neue assoziative Bedeutungshorizonte eröffnet und expliziert werden. Ziel des Projektes ist es, zu erkunden welche Perspektiven sich durch Künstliche Intelligenz für die Produktion und Rezeption narrativer Texte im Bereich der Human-Text-Interaction (HTI) bzw. im Bereich der kulturellen Bildung ergeben.