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Wahrnehmung und Handlung

Die Arbeitsgruppe Wahrnehmung und Handlung untersucht menschliche Wahrnehmungs- und Handlungsprozesse in digitalen Umgebungen. Sie verfolgt einen wahrnehmungsorientierten Ansatz zur digitalen Mediennutzung und untersucht die Effekte auf das menschliche Handeln. Dabei adressiert sie ein breites Spektrum von Mediennutzungsformaten. Der Forschungsschwerpunkt Multikodale Wahrnehmung beschäftigt sich mit der Frage, wie medienvermittelte Inhalte (z.B. Texte, Bilder, Comics, Videos) wahrgenommen und mental organisiert werden. Der Forschungsschwerpunkt Wahrnehmung und Interaktion in sozialen Netzwerken beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von Einstellungen, Wissen und Metakognition bei der Rezeption von Informationen und der Interaktion mit anderen (z.B. in Online-Foren). Der Forschungsschwerpunkt Wahrnehmen und Handeln mit digitalen Agenten befasst sich mit dem Informationsaustausch zwischen Menschen und Technologien der künstlichen Intelligenz (z.B. Algorithmen, Sprachassistenten, Roboter). Flankiert wird dieses Spektrum der untersuchten Interaktionsformen durch den Forschungsschwerpunkt Risikowahrnehmung von künstlicher Intelligenz, in dem Chancen und Risiken emergenter digitaler Technologien thematisiert werden. 


In allen Projekten beschäftigen sich die Mitglieder der Gruppe mit der Frage, wie Informationen selektiert, organisiert und mit vorhandenem Wissen integriert werden. Wichtige Einflussfaktoren, die bei der Arbeit berücksichtigt werden, sind Bildung, Alter und Kultur. Die Arbeitsgruppe kooperiert mit Kognitionswissenschaftler*innen, Informatiker*innen und Erziehungswissenschaftler*innen. Der Forschungsansatz ist experimentell - Daten werden in Labor- und Feldstudien erhoben. Hierbei wird eine Vielzahl von empirischen (z. B. Reaktionszeitmessung, Eye-Tracking, Augmented Reality) und statistischen Methoden (einschließlich der Signalentdeckungstheorie) verwendet.

                                       

Projekte

Die Rolle von Metakognition bei der Verbreitung und Verarbeitung von Informationen

Wissen Menschen um ihr eigenes Wissen? Und welche Auswirkungen hat dies auf ihr Erleben und Verhalten? Dieses Projekt untersucht den Einfluss von Metakognition auf zentrale kognitive Prozesse wie Eindrucks- und Urteilsbildung sowie die Entstehung von Überzeugungen. Insbesondere steht dabei die Frage im Mittelpunkt inwieweit sich eine Einsicht in das eigene (Nicht-) Wissen auf den Ebenen von Informationssuche (z. B. Wahl eines bestimmten Mediums), Informationsverarbeitung (z. B. Polarisierung, Bewertung der Glaubwürdigkeit) und letztlich auch auf der Handlungsebene (z. B. Verbreitung von Informationen über Medien) auswirkt.

Einsatz von Software-Agenten zur Depolarisierung von Einstellungen

Beim Lesen im Internet trifft man häufig sowohl auf Informationen, die die eigene Meinung bestätigen als auch auf Gegenmeinungen. Bestätigende Informationen werden dabei tendenziell eher oberflächlich gelesen und verarbeitet. Langfristiges Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines Software-Agenten, der anhand der Lesegeschwindigkeit erkennt, ob jemand gerade eine genehme oder Gegenmeinung liest und Inhalte daraufhin so anpasst, dass Pro- und Contra-Argumente gleichermaßen gründlich verarbeitet werden.

Mensch–Agenten–Kooperation

Künstliche Agenten sind ein nicht mehr zu ignorierendes Thema in der digitalen Welt. Damit ist unter anderem die Sorge verbunden, dass diese Agenten nicht mehr nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Das behindert die gemeinsame Arbeit, die eigentlich durch Automatisierung erleichtert werden soll. Menschen haben die Fähigkeit zu wissen was andere Menschen wissen, und können ihr Handeln dementsprechend anpassen. Ob diese Fähigkeit ebenso bei künstlichen Agenten funktioniert, ist eine offene Frage.

Polarisierung und konfliktbezogene Kommunikation im Internet

Die Polarisierung von Einstellungen und Meinungen zu politischen, gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Themen im Internet wird als eine Herausforderung für eine funktionierende Demokratie angesehen. Die Forschung zu diesem Thema wird dabei vor allem von der Ansicht dominiert, dass Polarisierung durch die bevorzugte Rezeption von Informationen, die der eigenen Einstellung entsprechen und durch den Austausch mit Gleichgesinnten in Echokammern hervorgerufen wird. Ist einstellungsbezogener Gleichklang der einzige Faktor, der zu Polarisierung führt?

Prosoziales Verhalten gegenüber künstlichen Agenten

Mit der zunehmenden Technologisierung der Welt wird auch die Präsenz künstlicher Agenten im Alltag immer deutlicher. Die Untersuchung der Interaktion zwischen Menschen und künstlichen Agenten, wie Robotern oder virtuellen Assistenten, steht seit langem im Fokus der Forschung. Während sich die Forschung in diesem Bereich häufig darauf konzentriert, wie künstliche Agenten unser Leben verbessern können, kehrt dieses Dissertationsprojekt den Fokus um, und konzentriert sich auf die Frage, wie Menschen Robotern helfen können. 

Psychologische Determinanten der Risikowahrnehmung in Bezug auf Künstliche Intelligenz

Kaum ein Gesellschaftsbereich wird so stark mit Chancen und Risiken verbunden wie Künstliche Intelligenz (KI). In diesem Projekt wird untersucht, wie Menschen die Risiken von KI wahrnehmen, und wie solche Einschätzungen mit psychologischen Faktoren wie dem Vorwissen und der Urteilssicherheit zusammenhängen. Die Auswirkungen der Risikowahrnehmung auf das Verhalten werden dabei ebenso adressiert wie die Möglichkeiten, das Bewusstsein für Risiken durch Interventionen zu schärfen.

Risikowahrnehmung und Kodalität im interkulturellen Kontext

Menschen werden täglich durch Bilder und Texte vor Gefahren und Risiken gewarnt und sollen selbst entscheiden, ob eine bestimmte Situation gefährlich ist. Interessanterweise verhalten Menschen sich gegenüber der gleichen Risikosituation (beispielsweise das Tragen einer Schutzmaske während einer Pandemie) unterschiedlich, was die Frage aufwirft, ob die Risikowahrnehmung kulturell universell ist. Dieses Dissertationsprojekt untersucht, wie Kultur und Sprache die Prozesse prägen, die der Risikowahrnehmung zugrunde liegen.

Spuren in Videoportalen: Das Potenzial von nutzergenerierten Daten für die Gestaltung von effektiven Lehr-Lernvideos

Videos spielen eine immer bedeutendere Rolle bei der Vermittlung von Wissen in nahezu allen Bildungsbereichen (Schule, Hochschule, Weiterbildung). Auf Videoportalen können Lernende bereits erworbenes Wissen vertiefen und erweitern und hinterlassen dabei Spuren, wie Pausen oder Sprünge im Video. Dieses Kooperationsprojekt erforscht wie solche Nutzungsdaten zusammen mit der pädagogisch-psychologisch sinnvollen automatisierten Aufbereitung von Videos eingesetzt werden können, um Videoportale nutzeradaptiv und lernwirksam zu gestalten.

Wie lesen wir Comics? – Verstehensprozesse in visuellen Erzählungen

Erzählungen kommunizieren Informationen auf vielfältige Art, beispielsweise in Büchern, Hörspielen, Filmen oder aber visuellen Erzählungen wie Comics. Während es umfangreiche Forschung zum Text- oder Filmverständnis gibt, ist über Comicverständnis noch wenig bekannt. Visuelle Erzählungen bieten jedoch vielfältige Möglichkeiten zur Wissensvermittlung in formellen und informellen Bildungskontexten. Das Projekt widmet sich daher der Frage, wie visuelle Erzählungen wie Comics verstanden und verarbeitet werden.

Abgeschlossene Projekte