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Realitätsnahe Darstellungen

Digitale Medien können Inhalte mit einem bislang ungekannten Grad an Realismus veranschaulichen. Ein Beispiel sind interaktive virtuelle Szenarien, die mit Virtual-Reality-Brillen betrachtet werden. Solche Formen der Präsentation von Lerninhalten weisen einerseits einen hohen Grad an Ähnlichkeit mit realen Situationen und Ereignissen auf, unterscheiden sich andererseits aber in systematischer Weise von der Realität, indem sie beispielsweise Szenen aus ungewohnten räumlichen Perspektiven zeigen oder Ereignisabläufe mittels Zeitlupe dehnen. Die Arbeitsgruppe erforscht die Konsequenzen dieser Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Darstellung und Wirklichkeit für die kognitive Verarbeitung, den Wissenserwerb und das Verstehen von Sachverhalten. Forschungsfragen sind beispielsweise: Sind sich Lernende der Unterschiede zwischen Darstellung und Wirklichkeit bewusst? Erfordert das Verstehen realistischer Darstellungen besondere Medienkompetenzen? Wenn ja, wie können diese vermittelt werden? Unter welchen Bedingungen sind möglichst realistische Darstellungen förderlich für den Wissenserwerb, und unter welchen Bedingungen sind systematische Abweichungen angemessener? Realitätsnahe Darstellungen finden nicht nur zunehmend Eingang in die formale Lehre, sondern sind aufgrund ihrer Anschaulichkeit und ihres Unterhaltungswerts gleichermaßen auch in informellen Lernsettings weit verbreitet. Dementsprechend finden empirische Studien der Arbeitsgruppe nicht nur im Labor sondern auch in Museen und Ausstellungen statt.

Team Realitätsnahe Darstellungen

Projekte

Artenvielfalt erleben – Wie Naturforschung vor der eigenen Haustür von interaktiven Webkarten profitiert

Die räumliche Verbreitung von Tierarten kann auf unterschiedliche Weise dargestellt werden. Das BMBF-Projekt „Artenvielfalt erleben“ untersucht die Frage, wie sich die jeweiligen Darstellungen und Interaktionsmöglichkeiten auf den Kompetenz- und Wissenserwerb und das bürgerwissenschaftliche Engagement auswirken. Dazu wird ein Online-Portal entwickelt, das Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern erweiterte Möglichkeiten zur Auswertung ihrer Vogelbeobachtungsdaten bietet.

Aufmerksamkeitsprozesse bei der Wahrnehmung intentionaler Bewegungsmuster

Menschen tendieren dazu, einfache geometrische Figuren, die sich raumzeitlich koordiniert bewegen, als belebt wahrzunehmen (Heider & Simmel, 1944, The American Journal of Psychology, 57, 243-259). Dieses Phänomen nennt man "wahrgenommene Belebtheit" (perceptual animacy). Obwohl wahrgenommene Belebtheit seit über 60 Jahren untersucht wird, wurde sie bisher noch nicht mit anderen psychologischen Konzepten wie z.B. Aufmerksamkeit in Verbindung gebracht. Der Grund hierfür ist, dass der Eindruck wahrgenommener Belebtheit nicht hinreichend quantifiziert werden konnte.

Der Einfluss haptischer Erkundung von Gegenständen auf Wissenserwerb und Interesse

Gängige Theorien zum Lernen in multimedialen Lernumwelten konzentrieren sich auf den visuellen und den auditiven Zugang. In diesem Dissertationsprojekt steht ein anderer Sinn im Fokus: die Haptik. So wird untersucht, inwiefern das haptische Erkunden von physischen Objekten – in Kombination mit visuellen Eindrücken – das Lernen und die Lernerfahrung in informellen Lernumgebungen beeinflusst, zum Beispiel in Museen und Ausstellungen.

Der Obersalzberg aus Besuchersicht: Kognitive Wirkung eines historischen Ortes und seiner propagandistischen Inszenierung in der NS-Zeit

Im Projekt „Der Obersalzberg aus Besuchersicht“ werden zwei Fragen untersucht: Wie können Propagandabilder dekonstruiert werden? Und wie wirkt sich das Bewusstsein, sich an einem historischen Ort mit hohem Bezug zur NS-Geschichte zu befinden, auf die Wahrnehmung, die Beurteilung und die Verarbeitung von assoziierten Bildern aus? Es besteht eine Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte (Dokumentation Obersalzberg). Die empirischen Befunde sollen in das Praxisfeld Museum einfließen.

Die Auswirkung von Diskrepanzen zwischen einem Historienbild und historischer Evidenz auf die kognitive Verarbeitung

Museumsbesucherinnen und -besucher tendieren dazu, Bilder als wahrheitsgemäße Informationsquelle für das dargestellte Ereignis zu betrachten. Bilder weichen aber oft von der Wirklichkeit ab, weshalb eine tiefere, de- und rekonstruierende Auseinandersetzung erforderlich ist. Dieses Dissertationsprojekt untersucht Effekte einer Benennung von Diskrepanzen zwischen Historienbild und historischer Evidenz auf die Bildbetrachtung.

Kausalitätsheuristiken bei der Interpretation ambiguer Situationen

In Zeiten von Fake News erscheint es besonders relevant zu verstehen, wann und warum Menschen unbestätigten oder nur vermuteten Erklärungen Glauben schenken. Dieses Projekt adressiert die Frage, wie Menschen mit möglichen kausalen Erklärungen für bislang ungeklärte Ereignisse umgehen, z.B. in Nachrichtenschlagzeilen. Wie erinnern Menschen Information um die Sicherheit oder Unsicherheit einer Erklärung? Wann werden „Tatsachen“ bezweifelt, wann Möglichkeiten überschätzt?

Kognitive Prozesse in digitalen immersiven Umwelten

Informationen werden unter anderem im musealen Kontext auch in immersiven digitalen Räumen dargeboten. Das Projekt untersucht den Einfluss dieser Räume auf grundlegende kognitive Aspekte der Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung: Unterscheiden sich die Betrachtungsdauer von Objekten und die Zeitwahrnehmung in unterschiedlich großen Räumen? Und welchen Einfluss haben Räume auf die Verarbeitung von Informationen, die in diesen Räumen präsentiert werden?

Langzeitgedächtnis für audio-visuelle Ereignisse

In der menschlichen Wahrnehmung treffen zumeist Informationen aus verschiedenen Modalitäten aufeinander. Während verschiedene Arbeiten zeigen, wie Informationen aus unterschiedlichen Modalitäten die Wahrnehmung der jeweils anderen beeinflussen können, ist weitestgehend unerforscht, wie verschiedene Modalitäten bei der Bildung von Langzeitgedächtnisinhalten miteinander interagieren. Die zentrale theoretische Diskussion in diesem Forschungsschwerpunkt dreht sich darum, ob Informationen aus verschiedenen Sinnesmodalitäten miteinander integriert werden (integration) oder separat voneinander enkodiert und gespeichert werden (dual coding).

Lernen mit 3D-Rekonstruktionen

Das Projekt "Lernen mit 3D-Rekonstruktionen" untersucht den Einfluss visueller und auditiver Darstellungsformen auf die kognitiven Prozesse bei der Verarbeitung von archäologischen 3D-Rekonstruktionen und konzentriert sich dabei u.a. auf die Darstellung unsicherer Informationen.

Vermittlung konflikthafter naturwissenschaftlicher Themen in Ausstellungen: Entwicklung und Optimierung eines Ausstellungsprototyps sowie eines museumsbezogenen Wikis

Das Ziel dieses DFG-Erkenntnistransfer-Projekts ist es, auf Grundlage empirischer Evidenz einen prototypischen Ausstellungsbereich im Deutschen Museum zu konzipieren und zu realisieren, in dem den Museumsbesucherinnen und Museumsbesuchern in angemessener Weise konflikthafte Informationen zu einem aktuellen naturwissenschaftlich-technischen Thema vermittelt werden. Zudem soll im Rahmen des Projekts ein evidenzbasiertes, praxisorientiertes Wiki zur effektiven Präsentation konflikthafter Informationen in Museen und Ausstellungen erstellt werden.

Wahrnehmung multimodaler Ereignisse

Multimodale Informationen können die Wahrnehmung und Interpretation visueller Ereignisse verändern. Beispielsweise führt ein synchron dargebotener Ton oder taktiler Reiz dazu, dass ein Event als zwei voneinander abprallende Scheiben interpretiert wird, das ohne Ton als zwei aneinander vorbeigleitende Scheiben interpretiert werden würde. Die theoretische Erklärung hinter diesem Mechanismus ist umstritten; in der Literatur werden zurzeit sowohl kognitive Theorien (z.B. Bildung von Inferenzen) als auch perzeptuelle Theorien (z.B. veränderte Wahrnehmungsprozesse) diskutiert.

Abgeschlossene Projekte

Abschlussarbeiten

Welchen Einfluss haben filmische Gestaltungsmittel auf die kognitive Verarbeitung der Filminhalte?

Filme sind kein neutrales Präsentationsmedium, sondern verwenden vielfältige Gestaltungsmittel, um die Wirkung und Verarbeitung des dargestellten Inhaltes zu beeinflussen. In diesem Projekt wird zum Beispiel untersucht, wie die zeitliche, elliptische Struktur eines Filmes das Verarbeitungsniveau der Szenen bestimmt und ob die Kameraperspektive sich darauf auswirkt, welche Inhalte wir genau erinnern.

Methode: Experimentalstudie, Labor

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Bärbel Garsoffky

Allgemeinpsychologische Aufmerksamkeits- und Gedächtniseffekte bei der Wahrnehmung und Kognition dynamischer Szenen.

Die natürliche Wahrnehmung sowie das Betrachten von Filmen erfordert die Integration von visuellen und auditiven Reizen. In den Experimenten dieses Themenschwerpunkts untersuchen wir, ob und wie auditive Wahrnehmung direkt mit visueller Wahrnehmung interagiert. Darüber hinaus untersuchen wir, wie visuelle und auditive Informationen die Gedächtnisleistung für dynamische Szenen beeinflussen.

Methode: Laborexperimentelle Studien

Ihr Ansprechpartner ist: Herr Dr. Hauke Meyerhoff

Einfluss audiovisueller Gestaltung auf das Verstehen von Kunstwerken

Das Projekt "Einfluss audiovisueller Gestaltung auf das Verstehen von Kunstwerken" untersucht den Einfluss begleitender Audiotexte und visueller Hinweisreize auf kognitive Prozesse und Wissenserwerb bei der Verarbeitung von Kunstwerken. Im Rahmen dieses Projektes bieten wir verschiedene Abschlussarbeiten an, in denen diese Thematik untersucht werden soll.
Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Manuela Glaser

Lernen mit 3D-Rekonstruktionen

Das Projekt "Lernen mit 3D-Rekonstruktionen" untersucht kognitive Prozesse und Wissenserwerb bei der Verarbeitung von computerbasierten 3D-Darstellungen historischer Architekturen, die unterschiedlich unsicher und durch unterschiedliche audiovisuelle Darstellungsformen präsentiert werden. Im Rahmen dieses Projektes bieten wir verschiedene Abschlussarbeiten an, in denen diese Thematik untersucht werden soll.

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Manuela Glaser