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Realitätsnahe Darstellungen

Mit digitalen Medien lassen sich Inhalte mit einem bislang ungekannten Grad an Realismus veranschaulichen. Aktuelle Beispiele sind interaktive virtuelle Szenerien, die mittels Virtual-Reality-Brillen betrachtet werden oder mit intelligenter Technologie ausgestattete originale Gegenstände. Kennzeichen solcher Formen der Präsentation von Lerninhalten sind, dass sie einerseits einen hohen Grad an Ähnlichkeit mit realen Situationen und Ereignissen aufweisen, sich andererseits aber in systematischer Weise von der Realität unterscheiden, indem sie beispielsweise Szenen aus ungewohnten räumlichen Perspektiven zeigen oder Ereignisabläufe mittels Zeitlupe dehnen. Die Konsequenzen dieser Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Darstellung und Wirklichkeit für die kognitive Verarbeitung, für den Wissenserwerb und für das Verstehen von Sachverhalten stehen im Zentrum der Forschung der Arbeitsgruppe. Diesbezügliche Forschungsfragen sind beispielsweise: Sind sich Lerner der Unterschiede zwischen Darstellung und Wirklichkeit bewusst? Erfordert das Verstehen realistischer Darstellungen besondere Medienkompetenzen und wenn ja, wie können diese vermittelt werden? Unter welchen Bedingungen ist ein hoher Realismus der Darstellung förderlich für den Wissenserwerb und unter welchen Bedingungen sind systematische Abweichungen angemessener für das Lernen? Realitätsnahe Darstellungen finden nicht nur zunehmend Eingang in die formale Lehre, sondern sind aufgrund ihrer Anschaulichkeit und ihrer häufig unterhaltsamen Anmutung gleichermaßen auch in informellen Lernsettings weit verbreitet. Dementsprechend finden empirische Studien der Arbeitsgruppe nicht nur im Labor sondern auch im Feld, beispielsweise in Museen und Ausstellungen, statt.


Die Struktur der Arbeitsgruppe ist entlang zweier Forschungslinien organisiert: In der Forschungslinie Erfahrungsoptimierung wird im Hinblick auf unterschiedliche Formen realitätsnaher Darstellungen (z. B. Lernvideos oder kartographische Abbildungen) untersucht, mit welchen audiovisuellen Gestaltungs- und Interaktionsprinzipien deren Verständlichkeit optimiert werden kann. Die zweite Forschungslinie Authentizität befasst sich mit der Wirkung verschiedener Facetten der Authentizität, beispielsweise der Verwendung originaler Gegenstände oder der anschaulichen Rekonstruktion historischer Situationen, auf Prozesse der Informationsverarbeitung und des Wissenserwerbs bei den Betrachtern.

 

Team Realitätsnahe Darstellungen

Projekte

Aufmerksamkeitsprozesse bei der Wahrnehmung intentionaler Bewegungsmuster

Menschen tendieren dazu einfache geometrische Figuren, die sich raumzeitlich koordiniert bewegen, als belebt wahrzunehmen (Heider & Simmel, 1944, The American Journal of Psychology, 57, 243-259). Dieses Phänomen nennt man "wahrgenommene Belebtheit" (perceptual animacy). Obwohl wahrgenommene Belebtheit seit über 60 Jahren untersucht wird, wurde sie bisher noch nicht mit anderen psychologischen Konzepten wie z.B. Aufmerksamkeit in Verbindung gebracht. Der Grund hierfür ist, dass der Eindruck wahrgenommener Belebtheit nicht hinreichend quantifiziert werden konnte.

Authentizitätsvorstellungen in verschiedenen Museumstypen: Sichtweisen der Kuratoren und Besucher

Was macht authentische Ausstellungsstücke so besonders? Wann ist ein Exponat überhaupt authentisch? Welche Rolle spielen Originale in der Ausstellung? Haben Kuratoren und Besucher die gleichen Vorstellungen zum Authentizitätsbegriff?
Das Projekt untersucht die Bedeutung des Authentischen in den Leibniz-Forschungsmuseen mittels Leitfadeninterviews und einer groß angelegten Besucherumfrage. Dabei werden einerseits unterschiedliche Museumstypen verglichen und andererseits die Ansichten der Museumsmacher und Kuratoren denen der Besucher gegenübergestellt.

Demokratisierung von Expertenwissen: Kartenproduktion und Kartengebrauch in neuen Medienwelten

Interaktive Karten, wie z.B. Google Maps, lösen Straßenatlas, Freizeit- und Unterrichtskarten zunehmend ab. Sie führen dazu, dass die traditionelle Unterscheidung zwischen Kartenersteller und -nutzer zunehmend verschwimmt, da Nutzer die Karte selbst (mit)gestalten können, indem sie hineinzoomen, Orte online markieren sowie unterschiedlichste Informationen auf einer Karte darstellen. Ob diese Möglichkeiten genutzt werden und welche Folgen die Nutzung für die Wahrnehmung, Informationsvermittlung und -bewertung hat, ist Gegenstand dieses Projektes.

Einfluss audiovisueller Gestaltung auf das Verstehen von Kunstwerken

Das Projekt "Einfluss audiovisueller Gestaltung auf das Verstehen von Kunstwerken" untersucht den Einfluss visueller und auditiver Darstellungsformen auf die kognitiven Prozesse bei der Verarbeitung von Kunstwerken wie sie in TV-Dokumentationen oder in Museen und Ausstellungen präsentiert werden.

Kritische Reflexion audiovisueller Medien

Bei der Gestaltung audiovisueller Medien verfügen Produzentinnen und Produzenten über eine Vielzahl von Möglichkeiten (z. B. Musik, Kameraperspektive und Einstellungsgröße), um die Interpretation der Zuschauerinnen und Zuschauer zu beeinflussen. Daher sollten beim Umgang mit audiovisuellen Materialien in der Schule und der Freizeit diese Einflussfaktoren auf die Interpretation der Inhalte berücksichtigt werden. Entsprechende Kompetenzen sollen im Projekt "Kritische Reflexion audiovisueller Medien" gefördert werden.

Lehr-/Lernvideos

Videos als Wissensmedien gewinnen durch ihre zunehmende Verbreitung über das Internet (z. B. Vorlesungsaufzeichnungen) mehr und mehr an Relevanz, da sie Lernenden rund um die Uhr den Zugriff auf Lerninhalte ermöglichen. Das Projekt "Lehr-/Lernvideos" beschäftigt sich vor dem Hintergrund kognitions- und pädagogisch-psychologischer Theorien damit, wie Videos aufbereitet werden sollten, damit Schülerinnen und Schüler sowie Studierende optimal lernen.

Lernen mit 3D-Rekonstruktionen

Das Projekt "Lernen mit 3D-Rekonstruktionen" untersucht den Einfluss visueller und auditiver Darstellungsformen auf die kognitiven Prozesse bei der Verarbeitung von archäologischen 3D-Rekonstruktionen, wie sie in TV-Dokumentationen oder in Museen und Ausstellungen zu finden sind.

Lernen mit multiplen historischen Dokumenten

Das Internet konfrontiert Lernende mit einer Vielzahl unterschiedlicher Dokumente, die sie bei der Informationsrecherche für Schule, Studium oder Freizeit bewerten müssen, um sich einen umfassenden Überblick über ein Thema zu verschaffen. Im Projekt "Lernen mit multiplen historischen Dokumenten" wird untersucht, inwiefern die erfolgreiche Nutzung multipler Dokumente mit Kompetenzen der Lernenden und der Gestaltung von Lernmaterialien zusammenhängt.

Vermittlung konflikthafter naturwissenschaftlicher Themen in Ausstellungen: Entwicklung und Optimierung eines Ausstellungsprototyps sowie einem museumsbezogenen Wiki

Das Ziel dieses Erkenntnistransfer-Projekts ist es, auf Grundlage empirischer Evidenz einen prototypischen Ausstellungsbereich im Deutschen Museum zu konzipieren und zu realisieren, in dem den Museumsbesucherinnen und Museumsbesuchern in angemessener Weise konflikthafte Informationen zu einem aktuellen naturwissenschaftlich-technischen Thema vermittelt werden. Zudem soll im Rahmen des Projekts ein evidenzbasiertes, praxisorientiertes Wiki zur effektiven Präsentation konflikthafter Informationen in Museen und Ausstellungen erstellt werden.

Visuelle Wahrnehmung von Handlungen: Einfluss der zeitlichen Struktur

Wenn Menschen visuelle Ereignisverläufe im Alltag beobachten, verarbeiten sie diese nicht als kontinuierlichen Strom. Vielmehr teilen sie einen Ereignisverlauf bereits bei der Wahrnehmung in sinnvolle Abschnitte ein. Medien nutzen diesen Effekt und präsentieren häufig nur Ausschnitte aus einem Geschehen, anstatt einen Ereignisverlauf kontinuierlich darzustellen. Das Projekt untersucht, wie sich verschiedene Darstellungen von Handlungsabläufen auf die Wahrnehmung und die kognitive Verarbeitung der Zuschauenden auswirken.

Visuelle Wahrnehmung von Handlungen: Einfluss einer bewegten Beobachterperspektive

Bei der Beobachtung von dynamischem Geschehen überlagern sich häufig zwei Bewegungsarten: Zum einen bewegen sich Personen oder Objekte im dreidimensionalen Raum und zum anderen ist häufig der Beobachtende selbst nicht statisch, sondern wechselt kontinuierlich den Blickpunkt. Solche Situationen entstehen im Alltag z. B. beim Autofahren oder als Spieler in einem Fußballspiel. Auch visuelle Medien nutzen die Darbietungsfreiheit und verwenden z. B. Kamerafahrten.

Abgeschlossene Projekte

Abschlussarbeiten

Welchen Einfluss haben filmische Gestaltungsmittel auf die kognitive Verarbeitung der Filminhalte?

Filme sind kein neutrales Präsentationsmedium, sondern verwenden vielfältige Gestaltungsmittel, um die Wirkung und Verarbeitung des dargestellten Inhaltes zu beeinflussen. In diesem Projekt wird zum Beispiel untersucht, wie die zeitliche, elliptische Struktur eines Filmes das Verarbeitungsniveau der Szenen bestimmt und ob die Kameraperspektive sich darauf auswirkt, welche Inhalte wir genau erinnern.

Methode: Experimentalstudie, Labor

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Bärbel Garsoffky

Wirkung von Propaganda

Produzenten von Filmen können auf eine große Bandbreite von Stilmitteln zurückgreifen, die die Wahrnehmung von Rezipienten beeinflussen und damit einhergehend Einstellungen verändern sollen. Somit stellt die Kenntnis der Wirkung einzelner filmischer Stilmittel eine wichtige Grundlage eines kritisch reflektierten Umgangs mit audiovisuell vermittelten Informationen dar. Diplomarbeiten zur Wirkung von Propaganda können sich sowohl mit der systematischen Erforschung der Wirkweise einzelner Stilmittel beschäftigen, als auch Interventionen, die zur Identifikation von Stilmitteln in Filmen beitragen, thematisieren.

Ihr Ansprechpartner ist: Herr Dr. Martin Merkt

Lernen mit multiplen Dokumenten

Umfassendes Wissen hinsichtlich einer Vielzahl von wissenschaftlichen Fragestellungen lässt sich von Lernenden nur selten einzelnen Dokumenten entnehmen. Vielmehr gilt es in den meisten Fällen, Informationen aus verschiedenen Dokumenten unter Berücksichtigung von Informationen über den Produzenten des jeweiligen Dokumentes zu gewichten und mit Informationen aus anderen Dokumenten zu integrieren. Diplomarbeiten im Bereich „Lernen mit multiplen Dokumenten“ können sich zum Beispiel mit dem Zusammenspiel von Dokumenteneigenschaften (z.B. Kohärenz, Widersprüchlichkeit) und der Erinnerung an Informationen über das Dokument (z.B. Produzent, Entstehungszeitraum) beschäftigen. Auch ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Videos mit Texten in komplexen Lernumgebungen eine Reihe von spannenden empirischen Fragestellungen.

Ihr Ansprechpartner ist: Herr Dr. Martin Merkt

Allgemeinpsychologische Aufmerksamkeits- und Gedächtniseffekte bei der Wahrnehmung und Kognition dynamischer Szenen.

Die natürliche Wahrnehmung sowie das Betrachten von Filmen erfordert die Integration von visuellen und auditiven Reizen. In den Experimenten dieses Themenschwerpunkts untersuchen wir, ob und wie auditive Wahrnehmung direkt mit visueller Wahrnehmung interagiert. Darüber hinaus untersuchen wir, wie visuelle und auditive Informationen die Gedächtnisleistung für dynamische Szenen beeinflussen.

Methode: Laborexperimentelle Studien

Ihr Ansprechpartner ist: Herr Dr. Hauke Meyerhoff


Einfluss audiovisueller Gestaltung auf das Verstehen von Kunstwerken

Das Projekt "Einfluss audiovisueller Gestaltung auf das Verstehen von Kunstwerken" untersucht den Einfluss begleitender Audiotexte und visueller Hinweisreize auf kognitive Prozesse und Wissenserwerb bei der Verarbeitung von Kunstwerken. Im Rahmen dieses Projektes bieten wir verschiedene Abschlussarbeiten an, in denen diese Thematik untersucht werden soll.
Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Manuela Glaser

Lernen mit 3D-Rekonstruktionen

Das Projekt "Lernen mit 3D-Rekonstruktionen" untersucht kognitive Prozesse und Wissenserwerb bei der Verarbeitung von computerbasierten 3D-Darstellungen historischer Architekturen, die unterschiedlich unsicher und durch unterschiedliche audiovisuelle Darstellungsformen präsentiert werden. Im Rahmen dieses Projektes bieten wir verschiedene Abschlussarbeiten an, in denen diese Thematik untersucht werden soll.

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Manuela Glaser

Raum und Semantik

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass räumliche Wahrnehmung und Verarbeitung von Sprache nicht unabhängig voneinander sind. So ist das Konzept Macht zum Beispiel vertikal repräsentiert. Dies äußert sich dadurch, dass mit Macht assoziierte Begriffe schneller erkannt werden, wenn sie räumlich weiter oben dargeboten werden. Ziel einer Diplomarbeit zu diesem Thema kann sein, die räumliche Repräsentation von weiteren Konzepten (z.B. Widersprüchlichkeit) empirisch zu überprüfen.

Ihr Ansprechpartner ist: Herr Dr. Martin Merkt