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Soziale Prozesse

Wissenserwerb und Informationsaustausch zwischen Personen findet unter verschiedenen sozialen Rahmen-bedingungen statt: Wie sehr Vorgesetzte und Mitarbeitende ihre Informationen teilen, ob Konkurrenten gegenseitig ihr Wissen preisgeben, welche Informationen Personen im Internet auswählen, oder wie Lernpartner darauf reagieren, wenn ein Lerngruppenmitglied wider Erwarten wichtige Informationen für sich behält, hängt maßgeblich von sozialen Faktoren ab. Genauer spielen soziale Beziehungen zwischen den Beteiligten (z. B. Wettbewerb oder Machtunterschiede), Emotionen (z. B. Ärger oder Bedrohung) und die Motivation der Beteiligten (z. B. sich selbst einen Vorteil zu verschaffen oder Gruppenziele zu verfolgen) eine zentrale Rolle. Diese Faktoren können besonders die virtuelle Zusammenarbeit beeinflussen; denn hier werden weniger soziale Hinweise als bei der face-to-face Zusammenarbeit vermittelt. Als Konsequenz gewinnen bei der virtuellen Zusammenarbeit bestehende soziale Beziehungen (z. B. Machtunterschiede) an Bedeutung.


Die Arbeitsgruppe Soziale Prozesse beschäftigt sich damit, wie diese sozialen Faktoren die Zusammenarbeit erleichtern oder erschweren. Zum einen betrachten wir, wie soziale Beziehungen den Erfolg einer Zusammenarbeit beeinflussen: Dabei stehen der Einfluss von Macht, Wettbewerb und Kooperation (und deren Kombination) sowie Normen und Normverstöße im Zusammenhang mit der Identifikation mit einer Gruppe im Vordergrund. Ziel ist es, zu verstehen, inwiefern soziale Beziehungen vermittelt über motivationale Prozesse (d.h. Selbstregulation) die Zusammenarbeit fördern bzw. behindern. Zum anderen untersuchen wir, wie Emotionen (z. B. Freude oder Bedrohungserleben) die Einstellung von Personen zu kontroversen Themen (z. B. einer neuen medizinischen Behandlungsmethode) und ihre Verarbeitung von Informationen (z. B. bei der Internetsuche) beeinflussen.

Team Soziale Prozesse

Projekte

Der Einfluss gesundheitlicher Bedrohung auf den Wissenserwerb im Internet

Neben inhaltlichem Interesse für ein bestimmtes Thema motiviert auch persönliche Relevanz die Informationssuche im Internet. Diese persönliche Relevanz kann zum Beispiel aus erlebter gesundheitlicher Bedrohung resultieren. Wie beeinflusst gesundheitliche Bedrohung die Informationssuche im Internet (z. B. die Generierung von Suchbegriffen, die Selektion von Links und die Erinnerung an die gelesene Information) und die Repräsentation der eigenen Gesundheit?

Determinanten und Konsequenzen von Entscheidungskonflikten

Entscheidungskonflikte kommen häufig im täglichen Leben vor. In der Kantine erfährt man zum Beispiel vielleicht einen Konflikt zwischen dem Ziel, sich gesünder ernähren zu wollen („Nimm den Salat“) und dem Ziel, einfach etwas Leckeres zu essen („Nimm die Nudeln“). In diesem Projekt werden solche Entscheidungs- oder Zielkonflikte von verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Einerseits werden die Umstände betrachtet, unter denen man mehr oder weniger Entscheidungskonflikt erfährt (Determinanten). Andererseits wird auch untersucht, welche Konsequenzen das Erleben von Entscheidungskonflikt auf das Erleben (Affekt und Emotionen), auf unser Denken (Kognition) und das Verhalten hat.

Kommunikation als Mittel der intergruppalen Vertrauensbildung

Erfolgreiche Kooperation setzt häufig gegenseitiges Vertrauen voraus. Dies ist umso mehr der Fall, wenn es sich um eine Kooperation zwischen Gruppen handelt. Wenn das Bild der Fremdgruppe vor allem von Vorurteilen und nicht von Wissen geprägt ist, bedarf es vertrauensbildender Maßnahmen. Aber wie kann das Vertrauen in eine Fremdgruppe gesteigert werden? Im Rahmen dieses Dissertationsprojekts wird untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen Kommunikation zu einer Erhöhung des intergruppalen Vertrauens beiträgt.

Macht und Verhalten im Kontext sozialer Interaktion

Wissensaustausch, beispielsweise im Arbeitskontext, findet oft über Hierarchien (d.h. Machtstrukturen) hinweg statt. Macht verleitet dazu, die eigenen Interessen zu verfolgen. Das erschwert die Zusammenarbeit. Manchmal fühlen sich aber gerade mächtige Personen verantwortlich für ihr Umfeld und setzen sich für andere ein. Wann und warum ist dies der Fall? Und wie lässt sich Macht als Verantwortung fördern?

Reaktionen auf nicht-normatives Verhalten anderer Gruppenmitglieder

Gruppen spielen in zahlreichen Situationen eine wichtige Rolle: Mitglieder eines Teams bearbeiten gemeinsam Projekte, Studierende bilden Lerngruppen und Mitglieder von Online-Gruppen diskutieren für sie wichtige Themen. In diesem Zusammenhang werden in einem Dissertationsprojekt hauptsächlich zwei Fragen untersucht: Wie reagieren die Mitglieder einer Gruppe, wenn sich ein Mitglied ihrer Gruppe anders verhält, als sie das von ihm erwarten? Und wann reagieren sie auf eine bestimmte Weise?

Abgeschlossene Projekte

Abschlussarbeiten

Normen und nachhaltiges Handeln in Organisationen

Immer mehr Organisationen (z.B. Unternehmen oder auch Universitäten) beschäftigen sich mit der Frage eines ethisch vertretbaren Handelns. Sie formulieren dazu eigene „Corporate Responsibility-“oder Nachhaltigkeitsrichtlinien, die das Verantwortungsbewusstsein einer Organisation betonen. Auf psychologischer Ebene betrachtet kommunizieren diese Richtlinien organisationale Normen, wie sich die Mitarbeitenden (z.B. Angestellte eines Unternehmens oder Studierende einer Uni) verhalten sollten – aber zeigen solche Normen auch Wirkung? Wann genau können diese Normen dazu beitragen, dass Mitarbeitende stärker sozial verantwortungsvoll bzw. nachhaltig handeln? Abschlussarbeiten können Fragen wie diesen nachgehen.

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Annika Scholl

Selbstkontrolle bei anstrengenden kognitiven Aufgaben

Selbstkontrolle bezeichnet die Fähigkeiten kurzfristigen Impulsen zu widerstehen und sein Verhalten auf langfristige Ziele auszurichten (z.B. bei schwierigen Aufgaben dran bleiben, Versuchungen widerstehen, Emotionen kontrollieren). In meiner Forschung geht es darum, wie sich verschiedene Vorstellungen von Willenskraft als begrenzte oder unbegrenzte Ressource auf die Fähigkeit auswirken, bei schwierigen kognitiven Aufgaben dran zu bleiben. Frühere Arbeiten zeigen, dass Personen, die glauben, dass Willenskraft begrenzt ist, bei anstrengenden kognitiven Aufgaben schlechter leisten. Über die Wirkmechanismen, welche diesen Zusammenhang erklären, weiß man aber noch nicht viel. Auch fehlt es an Erkenntnissen darüber, was Personen mit einer begrenzten Theorie helfen könnte, um dran zu bleiben. Mit diesen und anderen Fragen rund um das Thema Selbstkontrolle können sich Studierende im Rahmen von Bachelor-/Masterarbeiten beschäftigen.

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Katharina Bernecker.


Selbstkontrolle und der Umgang mit Schwierigkeiten

Selbstkontrolle ist schwierig und gelingt darum nicht immer (z.B. möchte man eigentlich etwas gesünder leben, schafft es aber doch nicht immer, der süßen Versuchung zu widerstehen). Hier soll es darum gehen, wie sich Selbstkontrolle anfühlt und was Menschen denken, wenn sie der Versuchung widerstehen (self-control success) oder an ihr scheitern (self-control failure). Erste Befunde zeigen, entgegen allgemeiner Erwartung, dass Menschen sich nicht immer besser fühlen, wenn sie Versuchungen widerstehen. Stattdessen zeigen sich negative Emotionen und Kognitionen, je schwieriger die Selbstkontrollhandlung war. Abschlussarbeiten zu diesem Projekt bauen auf diesen Befunden auf und werden daraus folgende Forschungsfragen untersuchen.  
Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Daniela Becker.

Umgang mit Emotionen im Kontext von Gruppen

Unsere Emotionen haben großen Einfluss darauf, wie wir uns anderen gegenüber verhalten. Dies trifft nicht nur dann zu, wenn diese Anderen zu einer Gruppe gehören, der wir uns selbst zugehörig fühlen. Auch das Verhalten gegenüber Mitgliedern anderer Gruppen wird durch Emotionen beeinflusst, wie zahlreiche Forschungsarbeiten nahe legen. Abschlussarbeiten können unter anderem eine der folgenden Fragen untersuchen: Welche Emotionen tragen dazu bei, eine Konfrontation mit Mitgliedern der eigenen Gruppe zu suchen? Welche Emotionen tragen eher dazu bei, die eigene Gruppe zu verlassen? Wie beeinflussen Emotionen die Bereitschaft, Mitgliedern anderer Gruppen zu helfen? Welche Rolle spielt die Art und Weise, wie Personen mit ihren Emotionen umgehen, dabei?
Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Lara Ditrich.

Verantwortungsbewusst geführt: Wie Macht als Verantwortung das Handeln beeinflusst

Eine Macht- oder Führungsposition innezuhaben bedeutet viele Freiräume und Gelegenheiten, sich um eigene Ziele zu kümmern – allerdings auch eine gewisse Verantwortung für andere. Wenn Mächtige diese Verantwortung als Teil ihrer Position erkennen, verhalten sie sich anderen gegenüber fairer, was die Zusammenarbeit erleichtert und zur Zufriedenheit der Mitarbeitenden beiträgt. Welche Konsequenzen aber ergeben sich daraus für die Mächtigen selbst? Unsere Studien zeigen z.B. auch, dass Macht als Verantwortung (statt als Gelegenheit, eigene Ziele zu verfolgen) mit einem höheren Stresserleben einhergeht. Abschlussarbeiten können sich daran anschließend mit Fragen beschäftigen wie z.B. welche Folgen sich für die Selbstregulation oder die Leistung der Mächtigen ergeben könnten.

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Dr. Annika Scholl.

Vermittelte Kommunikation als vertrauensbildende Maßnahme im Intergruppenkontext

Erfolgreiche Zusammenarbeit und Konfliktbewältigung basieren häufig auf dem gegenseitigen Vertrauen der beteiligten Gruppen. Unser Vertrauensurteil wird maßgeblich von Informationen beeinflusst, die wir von Dritten (z.B. Medien, soziale Netzwerke, Kollegen) erhalten. In dieser Arbeit soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen das Vertrauen in eine Fremdgruppe durch vermittelte Kommunikation gesteigert werden kann.


Ihr Anprechpartner ist: Herr Kevin Winter, MSc.