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Wissenskonstruktion

Die Konstruktion von neuem Wissen basiert zum einen auf dem individuellen Vorverständnis das Personen von einem Sachverhalt haben, und zum anderen auf dem Austausch und der Interaktion zwischen Personen, die ihre jeweiligen Perspektiven auf diesen Sachverhalt einbringen. Wissenskonstruktion weist somit eine intraindividuelle und eine interpersonellen Seite auf: Lern- und Wissensprozesse, die in einem Individuum ablaufen, interagieren mit Prozessen und Aktivitäten, die zwischen Personen stattfinden. Die Arbeitsgruppe Wissenskonstruktion beschäftigt sich mit diesen Prozessen. Viele Arbeiten basieren dabei auf dem "Ko-Evolutionsmodell", das Cress und Kimmerle 2008 vorgestellt haben, um die Prozesse der Wissenskonstruktion mit Bezug auf kognitionspsychologische und systemische Theorien zu beschreiben. Dieser theoretische Rahmen wird seither kontinuierlich weiterentwickelt und auf medienbasierte Austauschszenarien wie Wikipedia, Online Communities oder Social-Tagging-Plattformen angewandt.


Die Forschungsvorhaben der Arbeitsgruppe lassen sich zwei Forschungslinien zuordnen. Die erste Forschungslinie Wissenskonstruktion in informellen Kontexten befasst sich mit Situationen, in denen die Prozesse der Wissenskonstruktion vorwiegend in informellen Kontexten, wie beispielsweise sozialen Netzwerken oder Web-Communities, stattfinden und Personen primär nach ihren selbstgesetzten Zielen handeln. Die zweite Forschungslinie Wissenskonstruktion in formellen Kontexten untersucht Situationen, bei denen die Wissenskonstruktion in formelle Szenarien eingebunden ist, wie beispielsweise in Schulen und Hochschulen, bzw. mit einer institutionell vorgegebenen Zielrichtung verfolgt wird.

Team Wissenskonstruktion

Projekte

AFEL – Analytics for Everyday Learning

In dem aus dem EU Forschungs- und Innovationsprogramm "Horizon 2020" finanzierten Forschungsprojekt AFEL (Analytics for Everyday Learning) werden gemeinsam mit Projektpartnern aus dem In- und Ausland die Lern- und Wissenskonstruktionsprozesse im Internet erforscht. Basierend auf diesen Ergebnissen arbeiten PsychologInnen, PsycholinguistikerInnen und InformatikerInnen gemeinsam an Software-Tools, um solche internetbasierten Lehr-Lernaktivitäten zu unterstützen.

Collaborative Biases

Lassen sich Verzerrungen in der Informationsverarbeitung, die wir aus der Forschung mit Individuen kennen, auch in kollaborativ produzierten Web-Inhalten wiederfinden? Wird beispielsweise die „eigene“ Gruppe in Wikipedia-Artikeln über einen internationalen Konflikt (z.B. die Ukraine im ukrainischen Artikel über die Krimkrise und Russland im russischen Artikel über die Krimkrise) systematisch besser dargestellt?

Der Einfluss der sozialen Identitätsintegration auf Wohlbefinden, Leistung und Informationsverhalten

Das Projekt untersucht die Integrationsprozesse von Menschen, die mehrere soziale Identitäten besitzen, weil sie Mitglied mehrerer relevanter Gruppen sind. Soziale Identitäten können dabei mehr oder weniger integriert sein im Selbstkonzept. Untersucht wird, wie sich die Integration sozialer Identitäten auf das Wohlbefinden, auf den Einfluss von Stereotypen und auf den Umgang mit Informationen aus verschiedenen Gruppenbereichen auswirkt.

Digital Learning Map 2020| Erfolgsfaktoren und Vernetzungsstrategien für digitale Hochschulbildung

Das Projekt LearnMap wertet empirische Studien zur Wirksamkeit digitaler Lehr-/Lern-Arrangements in der Hochschule aus und entwickelt darauf aufbauend ein praxisorientiertes Rahmenmodell. Dieses Modell ermöglicht es, den Einsatz von digitalen Medien in der Hochschullehre aus einer lernpsychologischen Sicht zu beschreiben, die Wirksamkeit zu bewerten und dadurch den Austausch zwischen Lehrenden und Forschenden zu fördern. Nationale Projekte, Produkte und Konzepte im Bereich der digitalen Hochschullehre werden anhand des Rahmenmodells kartographiert.

Einfluss unterschiedlicher Repräsentationen wissenschaftlicher Informationen auf Wissen und Einstellungen

Im Rahmen dieses Forschungsprojekt wird untersucht, wie unterschiedliche Formen der Darstellung von Sachinformationen individuelles Wissen über und die Einstellung zu Füchsen beeinflussen. Insbesondere befasst sich das Projekt mit den Auswirkungen unterschiedlicher visueller und textlicher Darstellungen. Es untersucht, ob Emotionalisierung durch visuelle Methoden eine ähnliche Wirkung hat wie eine durch Textdarstellungen vermittelte Emotionalisierung.

Kollaborative Wissenskonstruktion in Wikipedia

Haben Sie schon einmal etwas auf Wikipedia nachgeschlagen? Oder vielleicht auch selbst etwas zu Wikipedia beigetragen? Das Web 2.0 verändert Prozesse der Wissenskonstruktion. Die Frage ist, wie auf Wikipedia eigentlich Wissen entsteht und welchen Einfluss der individuelle Internetnutzer wiederum auf die Entstehung dieses Wissens hat.

Mathe mit der Matte

In der Grundlagenforschung zur numerischen Kognition wird angenommen, dass Zahlen entlang eines räumlich orientierten mentalen Zahlenstrahls repräsentiert werden. Diese Zahlenstrahlrepräsentation ist für komplexere Rechenprozesse von eminenter Bedeutung, da sie eine Basisvoraussetzung für das Zahlenverständnis darstellt. Zusätzlich zeigen zahlreiche jüngere Studien, dass bei seiner Entwicklung auch senso-motorische Erfahrungen im Sinne einer verkörperlichten Kognition (embodied cognition) eine bedeutende Rolle spielen. Können Kinder demnach beim Lernen numerischer Kompetenzen von verkörperlichter Kognition profitieren? Und sind die damit assoziierten senso-motorischen Erfahrungen auch für das Erlernen komplexerer numerischer und arithmetischer Inhalte förderlich?

Medizinische Online-Plattformen als kognitive Schnittstellen: Der Einfluss individueller und technologischer Merkmale auf Lernen und die Verarbeitung komplexer medizinischer Informationen

Patienten und medizinisch interessierte Laien nutzen Onlineplattformen, um sich über bestimmte Krankheiten und medizinische Behandlungen zu informieren. Diese Internetangebote beinhalten ein breites Spektrum an Informationen unterschiedlicher Qualität und Reichhaltigkeit. Ein Darstellungsformat, das besonders geeignet ist, die Komplexität medizinischer Inhalte abzubilden, sind Videos über medizinische Eingriffe.

OpenTeach: Experimentalpsychologische Analyse offener digitaler Lehre

Im Projekt wird experimentelle Forschung zur Analyse offener digitaler Hochschullehre betrieben. Die Forschungsfragen befassen sich insbesondere mit der Öffnung medizinischer Lehre für weitere Disziplinen, der Öffnung der vorklinischen Lehre zur Praxis sowie der Öffnung der Lehre für den Diskurs unterschiedlicher Berufe.

Smart Teaching Baden-Württemberg

Smart Teaching Baden-Württemberg begleitet als Forschungsprojekt zehn Digitalisierungsprojekte an Landeshochschulen. Es unterstützt eine nachhaltige Umsetzung der Projekte und dient der Generierung von Erkenntnissen über Erfolgsfaktoren und Hindernisse bei der Umsetzung von innovativen digitalen Entwicklungsprojekten. Um die erzielten praxisorientierten und wissenschaftlichen Erkenntnisse zugänglich zu machen, arbeitet das Projekt eng mit dem am IWM angesiedelten Informationsportal e-teaching.org zusammen.

Ubiquitous Working: Herausforderungen und Chancen der vernetzten Arbeitswelt

Zunehmende Vernetzung und Virtualisierung erlauben die Ablösung der Arbeit vom Arbeitsplatz im Betrieb. Aus der Rechnerallgegenwart erwächst so eine Allgegenwart der Arbeit – Ubiquitous Working (UW). Diverse Forschungsbereiche beschäftigen sich bereits mit den Auswirkungen dieser modernen Arbeitsform auf die Gesundheit, auf soziale Aspekte und auf die Work-Life-Balance der Ubiquitous Worker. Bisher gibt es allerdings wenig Forschung dazu, wie sich UW auf andere psychologische Variablen, wie beispielsweise auf die Kognition oder Arbeitsleistung auswirkt.

WTimpact: Einfluss kollaborativer Wissensentwicklung auf Einstellung und emotionalen Bezug

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsverbundes „Kollaborative Wissensentwicklung als Transferinstrument – vom Wissenstransfer zum Wissensaustausch“ beteiligt sich dieses Projekt an der Entwicklung eines Transferinstruments, das die kollaborative Wissensentwicklung im Zusammenspiel von Wissenschaft und Öffentlichkeit unterstützen soll. Dafür wird in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern eine Internetplattform entwickelt und für Best-Practice-Beispiele von Citizen-Science-Projekten umgesetzt.

Abgeschlossene Projekte

Abschlussarbeiten

Masterarbeit: Lernen im Web 2.0

Das Web 2.0 bietet Werkzeuge im Netz, die sich für den Austausch von Wissen und die kooperative Konstruktion von Wissen eigenen. Ein Beispiel sind Wikis. Sie ermöglichen die gleichzeitige, kooperative Arbeit einer Vielzahl von Personen an gemeinsamen Artefakten, die allen Personen zur Nutzung und zur aktiven Weiterentwicklung offen stehen.

In der Masterarbeit soll untersucht werden, welchen Einfluss in einem Web 2.0-Setting die Öffentlichkeit (andere Personen können sehen, was ich ergänze) auf die Motivation und auf individuelles Lernen hat. Dabei interessiert auch, welche Prozesse dazu beitragen, dass über die reine Sammlung von Informationen hinaus auch die kooperative Konstruktion neuen Wissens möglich wird.

Auf Basis eines bestehenden Versuchsparadigmas, bei dem Versuchspersonen kooperativ erstellte Texte weiterbearbeiten müssen, sollen weiterführende Experimente durchgeführt werden. Je nach Interessenlage können auch weitere motivationale (z.B. Einfluss der Relevanz des Themas) oder soziale Einflussfaktoren (z.B. Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe) im Rahmen der Masterarbeit untersucht werden.

Ihr Ansprechpartner ist: Herr Dr. Johannes Moskaliuk

Digitale Medien in der medizinischen Lehre und Patientenschulung

Das Internet stellt sowohl für medizinische Fachpersonen wie auch für medizinische Laien eine zentrale Informationsquelle und einen Ort des Informationsaustauschs dar. Auch von Universitäten werden hier Lehrangebote bereitgestellt, die von unterschiedlichen medizinischen Professionen (z. B. Ärzte und Therapeuten) genutzt werden können. Diese Online-Lehrangebote unterscheiden sich in der Komplexität und Interaktivität grundlegend von gängigen Lehrveranstaltungen und können ein Ort der interprofessionellen Wissenskonstruktion sein. Eine interessante Frage dabei ist zum Beispiel, inwiefern diese Lernszenarien Lernmotivation und Wissenserwerb beeinflussen. Eine weitere Fragestellung wäre, ob und unter welchen Bedingungen eine interprofessionelle Online-Lehrveranstaltung zur interprofessionellen Zusammenarbeit beitragen kann. Zudem könnte im Rahmen einer Masterarbeit untersucht werden, welchen Einfluss Vorwissen und persönliche Überzeugung auf den Umgang mit komplexem medizinischem Informationsmaterial nimmt.
Ihr Ansprechpartner ist: Herr Apl. Prof. Dr. Joachim Kimmerle

Nutzung kollektiven Wissens durch Social Tagging

In den letzten Jahren etablierte sich Social Tagging als eine Standardanwendung des Web 2.0. Social Tagging bezeichnet die freie und individuelle Vergabe von Schlagwörtern (Tags) für digitale Ressourcen, wie z. B. Bookmarks. Durch diese individuelle Annotierung von digitalen Inhalten mit Tags, die von unterschiedlichen Personen vergeben wurden, entsteht eine gemeinsame Beschreibung von Inhalten durch eine Community. Im Rahmen einer Masterarbeit könnte der Einfluss von Social Tags auf die Informationssuche im Internet und auf individuelle Lernprozesse erforscht werden.

Ihre Ansprechpartnerin ist Frau Prof. Dr. Ulrike Cress

Mathe mit der Matte

In einem Kooperationsprojekt mit Prof. Nürk (Psychologisches Institut der Universität Tübingen) wird eine digitale Tanzmatte eingesetzt, um bei Vor- bzw. Grundschulkindern die Zahlenvorstellungen zu trainieren. Im Rahmen einer Masterarbeit könnte untersucht werden, inwieweit beim "Numerosity Learning" räumlich-motorische Komponenten eine Rolle spielen.

Ihre Ansprechpartnerin ist: Frau Prof. Dr. Ulrike Cress