• Presse
  • Kontakt
  • deutsch | english
mobile icon
Projekt

Gestaltung kognitiver Schnittstellen und ausgewogene Nutzung von sozialen Medien

ArbeitsgruppeWissensaustausch
Laufzeit07/2017–06/2020
FörderungLeibniz-WissenschaftsCampus „Cognitive Interfaces”
Projektbeschreibung

In diesem Projekt soll die Entstehung von Radikalisierung und „hate speech“ in Social Media untersucht werden. Insbesondere soll die Annahme geprüft werden, dass Autorinnen und Autoren von Social Media-Beiträgen sich sprachlich umso extremer ausdrücken, je homogener die Gruppe ihrer Kontakte inhaltlich ist.


In den letzten Jahren haben sich gesellschaftliche Diskurse über soziale Medien deutlich verändert. Während zu Beginn der 2010er Jahre das Potenzial von sozialen Medien wie Twitter oder Facebook hervorgehoben wurde, zu einer Demokratisierung von Gesellschaften beizutragen, sind jüngst eher negative Phänomene ins Visier genommen worden. Als besonders kritisch wird beispielsweise angesehen, dass sich in sozialen Medien sogenannte Echokammern herausbilden, in denen Gleichgesinnte zu einem kontroversen Sachverhalt jeweils nur eine Sichtweise oder Meinung wiedergeben, und gegensätzliche Informationen ausblenden, sanktionieren oder systematisch abwerten. Verschiedene Theorien legen die Vermutung nahe, dass eine solch einseitige Rezeption und Produktion von Informationen zur Entstehung besonders starker und extremer Einstellungen führen können, was somit zu Radikalisierungen und zu sogenannter „hate speech“ führen könnte.


In diesem Projekt sollen zunächst reale Twitter-Accounts betrachtet werden, deren Autorinnen und Autoren sich zu kontroversen Themen (z.B. Donald Trump; Brexit) äußern. In einem zweiten Schritt sollen die Mechanismen, die zur Entstehung von Echokammern führen können, in laborexperimentellen Studien nachgestellt werden. Es soll geprüft werden, ob das Bereitstellen von Bewertungs-Tools in einer Schnittstelle (z.B. „Daumen hoch“) zu einer Radikalisierung von verfassten Tweets beitragen kann. Außerdem soll die Rolle der Anonymität untersucht werden. Im dritten Teil des Projekts werden aus sozialpsychologischen Theorien heraus Maßnahmen abgeleitet werden, um Mensch-Computer-Schnittstellen so zu gestalten, dass Informationen ausgewogen wahrgenommen, verarbeitet und produziert werden. Durch eine veränderte Darstellung von Bewertungs-Tools könnten beispielsweise ausgewogene Beiträge besser sichtbar gemacht werden. Auch ist es im Schnittstellen-Design möglich, bestimmten Nachteilen der Anonymität entgegenzuwirken.

Kooperationen

Prof. Dr. Guido Zurstiege, Universität Tübingen, Institut für Medienwissenschaft

Kontakt

Dr. Jürgen Buder Dr. Jürgen Buder
Tel.: +49 7071 979-326

Projektteam

Lisa Rabl