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Projekt

Erkennen von Widersprüchen zwischen Text und Bild

ArbeitsgruppeMultiple Repräsentationen
Laufzeit10/2013 - offen
FörderungIWM Haushaltsmittel
Projektbeschreibung

In diesem Projekt stehen die kognitiven Prozesse beim Lernen mit Texten und Bildern im Fokus. Konkret geht es um die Frage, ob Texte und Bilder mental miteinander integriert werden. Da die Text-Bild-Integration die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen bildet, spielt sie eine zentrale Rolle überall dort, wo Texte und Bilder als Lernmaterial eingesetzt werden (z.B. Schule oder Hochschule).

Die theoretische Ausgangslage für das Projekt bildet der im Rahmen der Cognitive Theory of Multimedia Learning von Mayer (2009) postulierte Integrationsprozess, der beim Lernen mit Texten und Bildern eine zentrale Rolle spielt und maßgeblich für den Lernerfolg verantwortlich sein soll. Ziel des Projekts ist es, diesen Integrationsprozess näher zu beleuchten.

Hierfür wird ein Paradigma verwendet, bei welchem Lernenden widersprüchliche Informationen dargeboten werden. Es wird davon ausgegangen, dass, wenn Lernende Text und Bild miteinander integrieren, eine wesentliche Anforderung darin besteht zu erkennen, welche Text- und Bildelemente sich entsprechen. Diese Suche nach Korrespondenzen sollte bereits während des Lernens stattfindet. Ist dies der Fall, sollten Lernende auch auf Widersprüche zwischen Text- und Bildinformation aufmerksam werden. Diesem Aspekt wurde in zwei Studien nachgegangen, in denen die Blickbewegungen der Lernenden bei der Verarbeitung einer widerspruchsfreien bzw. einer widersprüchlichen Text-Bild Kombination aufgezeichnet wurden. Die Verarbeitung widersprüchlicher Text-Bild Kombinationen zeichnete sich u.a. durch längere Betrachtungszeiten von Texten und Bildern sowie häufigere Blickwechsel zwischen Text und Bild aus. Dies spricht für eine frühzeitige Text-Bild Integration, da Widersprüche zwischen Text und Bild bereits während des Lernens erkannt werden.

Des Weiteren wird im Rahmen des Projekts untersucht, ob Lernende auch aufeinanderfolgende Informationen miteinander integrieren. Hierfür wurden nacheinander sich widersprechende Informationen dargeboten. Die Ergebnisse zeigen, dass Lernende, sobald sie auf den Widerspruch stoßen, den Text und das Bild intensiver verarbeiten. Diese Befunde sprechen dafür, dass nicht nur gleichzeitig dargebotene Informationen miteinander integriert werden, sondern dass auch aufeinanderfolgende Informationen in ein mentales Modell integriert werden.

Da die Integration von Informationen in ein mentales Modell als lernförderlich angenommen wird, sollte der Text-Bild-Integrationsprozess insbesondere auch im Schul- und Hochschulkontext gefördert werden.

Publikationen

Schüler, A. (in press). The integration of information in a digital, multi-modal learning environment. Learning and Instruction. https://dx.doi.org/10.1016/j.learninstruc.2017.12.005

Schüler, A. (2017). Investigating gaze behavior during processing of inconsistent text-picture information: Evidence for text-picture integration. Learning and Instruction, 49, 218-231. https://dx.doi.org/10.1016/j.learninstruc.2017.03.001

Scheiter, K., Eitel, A., & Schüler, A. (2016). Lernen mit Texten und Bildern: Die frühzeitige wechselseitige Beeinflussung kognitiver Prozesse bei der Konstruktion eines integrierten mentalen Modells. Psychologische Rundschau, 2, 87-93.