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Projekt

Kausalitätsheuristiken bei der Interpretation ambiguer Situationen

ArbeitsgruppeRealitätsnahe Darstellungen

Soziale Prozesse
Laufzeit2/2017 – offen
FörderungSAW Cognitive Conflicts Network, Haushalt
Projektbeschreibung

Sowohl in digitalen, als auch in realen Umwelten treffen Menschen immer wieder auf ambigue Situationen. Wenn sie versuchen, solche ambiguen Situationen zu interpretieren, können „kognitive Konflikte“ entstehen – also eine gewisse Unsicherheit, wie eine Situation zu verstehen ist, bzw. in welcher (kausalen) Beziehung Ereignisse zueinander stehen. Wie lösen Menschen derartige Konflikte auf? Und wie beeinflusst die situative Verfassung des Betrachters, wie beispielsweise empfundener Stress oder wahrgenommene Kontrolle, den Umgang mit Ambiguität?


Über alle Stufen der Informationsverarbeitung hinweg neigen Menschen zu der Anwendung von Heuristiken (schnellen und einfachen „Faustregeln“), wenn sich die verfügbaren Informationen als unzureichend zur vollständigen Analyse einer Situation erweisen. Solche Heuristiken bauen darauf, dass verschiedene Hinweise als Grundlage mutmaßlicher Schlussfolgerungen zusammenfallen. Wir untersuchen solche heuristischen Prozesse anhand eines einfachen dynamischen Ereignisses, in dem sich die Bewegungspfade zweier Objekte kreuzen. Diese können sowohl als aneinander vorüberziehend (keine Kausalität) oder als voneinander abprallend (Kausalität) interpretiert werden. Unter bestimmten Rahmenbedingungen, wie einem dabei zusätzlich auftretenden Ton, tendieren Beobachter dazu, Ambiguität in Richtung einer kausalen Beziehung aufzulösen (z.B. eher ein kausales „Abprallen“ zu interpretieren; Sekuler, Sekuler & Lau, 1997). Dies legt nahe, dass visuelle Informationsverarbeitung der Heuristik unterliegt, dass gleichzeitig auftretende Information einen kausalen Zusammenhang andeutet.
Relativ unklar ist bisher allerdings: Sind diese Heuristiken primär ein Ergebnis niederer Wahrnehmung oder sind sie (zumindest teilweise) auch durch motivationale Einflüsse getrieben - wie das Bedürfnis, eine Situation zu verstehen? Dieses Projekt untersucht die Rolle von wahrgenommener Kontrolle und Stress im Umgang mit perzeptueller Ambiguität. Beforscht werden Fragen wie: Beeinflussen Kontrollverlust und Stress den Rückgriff auf Heuristiken? Sind hierbei kognitive und/oder motivationale Prozesse beteiligt? Ziel ist es zu verstehen, wann und warum Menschen verstärkt auf solche schnellen und einfachen „Faustregeln“ (Heuristiken) zurückgreifen bzw. auf diese verzichten – um zum Beispiel die mit Ambiguität verbundenen kognitiven Konflikte aufzulösen.